Ich weiß nicht, was es ist.

19.12.21 Schreibtisch am Fenster kurz vor Mitternacht, wortwolle

Es ist wie, wenn zehntausend Ameisen
auf mir kribbelnd eine Mauer bauen.
Ich will mich instinktiv abschirmen.
Erstarre und schrumpfe
in eine Angst, die ich nicht einmal kenne.

Mit jedem Atemzug
spüre ich meinen Körper mehr
und wie aktiviert er ist.
Er hat wohl Angst,
er könnte etwas verlieren,
aber ich möchte loslassen.

Olivenernte

Was das Olivenernten mir beigebracht hat? Schritt für Schritt. Schaue ich aufs ganze Feld voller grün-brauner Bäume die sich silbern im Blau wiegen wird mir schwindelig. Was mir ins Gesicht hängt darf ich schneiden, so sagen die alten weisen Olivenkenner, auch wenn es wehtut, die Angst zu verletzen..die Zukunft wird es mir danken. Und wenn harter Regen fällt, mich erinnern, dass das was wehtut, und blaue Flecken schlägt schöne reiche Samen sind. Und wie mit all den bitteren Pflanzen können auch diese Granaten Medizin in sich tragen. Gesammelt und gepresst wird das Dunkle und Harte zu fließendem Gold, das ist nur manchmal schwer zu erahnen, wenn einer dieser Samen mir aufs Auge fällt. Es macht mehr Spaß in Community, es macht mehr Spaß mit Musik, wo das Pochen der Bambusstöcke mit der Musik verschmilzt.

Sprache verletzt

Mit meiner Sprache verletze ich
Vielleicht gerade nicht dich
Aber ganz verschiedene Leute
Deren Stimmen gestern und heute
Nur schwer zu hören sind
weggetragen vom Wind
Der Unterdrücker*innen
Und wir sind mitten drinnen

spontanes Gedicht, weil ich immer wieder feststelle, wie diskriminierend und unreflektiert meine Sprache ist… Vielleicht auch als ein kleiner Stupser an eure und an meine Schulter mit der Aufforderung immer wieder zuzuhören und an uns zu arbeiten 🙂

Murmeln

Sie fühlte etwas. Ja, da regte sich was. Eine Anspannung. Ihre Vagina zog sich zusammen. Ihre Blase drückte. Durch ihren rechten Unterarm zog sich ein Kribbeln. Als würde jemand ihre Nervenbahnen fester ziehen, wie Gitarrensaiten.

„Was tust du?“, griff seine Stimme in ihre Welt ein. Sie verursachte ihr Schmerzen. Einen Krampf, in Zwechfellnähe. Ihr Ohr versuchte sich zusammenzuziehen. Als Kind hätte sie jetzt weinen wollen.

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Gräber

Fliehst du mir, Freundin Flammenseele,
Blick ich in tiefe, tiefste Glut.
Rollt jener Stein mir in die Kehle,
Der noch vorm Grabeseingang ruht.

Dort zieht´s mich rein in solchen Stunden.
Und Tiefenvolk bestäubt mein Herz.
Verreibt mir Dreck in Wollens-Wunden.
So spür ich, wie ich schneller sterb.