Literaturliste

Vorbemerkung der Autor*innen: Diese Liste ist leider noch nicht vollständig. Geschmäcker sind verschieden. Es fehlt noch deiner! Schick uns einfach eine Email mit Namen der Autor*innen, Titel und einer kurzen Zusammenfassung deiner Lieblingsbücher.

Relevant und Aktuell

  • Carola Rackete: „Handeln statt hoffen – Aufruf an die letzte Generation“ (2019)
    Carola Rackete ist als Sea-Watch-Kapitänin bekannt. Im gleichnamigen Film: „Sea-Watch 3“ entscheidet sie sich gegen das Verbot der italienischen Küstenwache, im Hafen von Lampedusa einzulaufen und rettet damit 53 Flüchtlinge aus dem Libanon aus Seenot. Was viele allerdings nicht wissen: sie ist auch leidenschaftliche Klimaaktivistin und unterstützt beispielsweise die Protest-Aktionen von Extinction Rebellion. Ihr Buch ist ein sachlicher Weckruf. Ohne Panik zu verbreiten klärt sie auf, beschreibt ihre eigene Motivation und appelliert zum Engagement gegen die Klimakrise. Aktuell und relevant in Zeiten der Klimakatastrophen-Zweifler, schwammigen 1,5-Grad-Strategien und einer Politik die lieber hofft statt handelt.
  • Margarete Stokowski: „Untenrum Frei“ (2018)
    In charmanter Sprache erzählt Stokowski davon, wie sie als Mädchen in Deutschland aufwächst. Sie widmet sich den Details ihres Lebens um anhand derer den Leser auf sein eigenes Weltbild und die gesellschaftlichen Verhältnisse aufmerksam zu machen. Dabei witzig und bissig, präzise und humorvoll formuliert. Unbedingt lesenswert.
  • Yuval Noah Harari: „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ (2011); „Homo Deus – eine Geschichte von Morgen“ (2015); „21 Lektionen an das 21. Jahrhundert“ (2018)
    Harari, Professor für Geschichte an der Hebräischen Universität Jerusalem beschäftigt sich in seinen drei Büchern mit uns: dem Menschen. In „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ beschreibt er umfassend, unter Einbezug von verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen, den historischen Werdegang der Spezies Homo Sapiens. Wie konnte der Mensch zu seiner heutigen Position in der Natur aufsteigen? Welche Umwelteinflüsse haben zu welchen Entwicklungsschritten beigetragen? Warum ist ausgerechnet die Sprache hierbei so ein bedeutendes Werkzeug gewesen?
    Das zweite Buch „Homo Deus“ knüpft an das erste Werk an und spannt den Bogen weiter: von der heutigen Gegenwart zu einer möglichen, technisch-geprägten Zukunft. Harari weist auf zukunftsentscheidende Fragen hin, die der Mensch hinsichtlich des technologischen Fortschrittes wird beantworten müssen. Er beleuchtet mögliche Gefahren und schafft ein Bewusstsein für Zukunftsszenarien die wir nicht unterschätzen sollten.
    Mit dem „Hier und Jetzt“ beschäftigt sich Harari in seinem dritten Buch „21 Lektionen an das 21. Jahrhundert“. Aktuelle politische und technische Herausforderungen werden besprochen, Harari philosophiert über 21 relevante und aktuelle Themen die unsere Spezies zur Zeit oder in naher Zukunft bewegen (werden).
    Es ist sinnvoll die Bücher in der hier angegeben Reihenfolge zu lesen, da sie inhaltlich aufeinander aufbauen. Es handelt sich bei den Büchern um Sachbücher, sie sind dennoch sehr zu empfehlen (!), leicht und verständlich geschrieben und ermöglichen einen umfassenden Blick auf den Homo Sapiens.

Nützliches Handwerkszeug

  • Josef Zehentbauer: „Körpereigene Drogen – Garantiert ohne Nebenwirkung“ (2010)
    Ein Sachbuch der besonderen Art: Zehentbauer klärt über die körpereigenen Psycho-Drogen auf, beschreibt ihre Wirkung und vor allen Dingen wie wir die Botenstoffe gezielt mobilisieren können. Dadurch wird eine faszinierende Steuerung der eigenen Gefühlsalge möglich, die Lust auf mehr macht.
  • Thomas Anthony Harris: „Ich bin ok. – du bist ok.“ (1967)
    Beruhend auf den Erkenntnissen von Eric Berne erklärt Harris in seinem Buch „Ich bin ok. – du bist ok.“ die Grundbegriffe der Transaktionsanalyse und lädt seine Leser dazu ein, sich auf das Gedankenkonzept einer dreigeteilten Persönlichkeit einzulassen. Angelehnt an Freud wird der Mensch in Kindheits-Ich, Eltern-Ich und Erwachsenen-Ich unterteilt. Mit Hilfe dieser Gliederung lassen sich jahrelang erlernte Verhaltensmuster aber auch schon einfachste Konversationen analysieren und Konflikte verstehen. Das Buch besticht durch leicht verständliche, alltägliche Beispiele und dient als Werkzeug zur Analyse der eigenen Transaktionen.
    Das Buch muss als Werk seiner Zeit betrachtet werden. Einige Textstellen wirken unaufgeklärt, altmodisch oder sind schlicht weg nicht mehr zutreffend für die heutige Zeit. Die Gedanken, Ansätze und Theorien in diesem Buch sind äußert interessant aber dennoch differenziert zu betrachten.
  • Eric Berne: „Spiele der Erwachsenen“ (1964)
    Der Beziehungsanalytiker und Mitbegründer der Transaktionsanalyse Eric Berne beschreibt in dem Buch „Spiele der Erwachsenen“ verschiedene, durch verdeckte Motive motivierte Verhaltensmuster, die Berne als „Spiele“ beschreibt. Hierbei schlüpfen die Beteiligten (un)bewusst in verschiedene Rollen, die eine erfolgreiche Kommunikation meistens behindern und häufig in einem Streit münden. Das Buch hilft verschiedene Spiele aufzudecken und das Muster dahinter zu erkenn. Ein sehr beliebtes Spiel unter Erwachsenen mit geringem Selbstwertgefühl ist beispielsweise: „Meins ist besser als Deins“ oder in der umgedrehten Version: „Mir geht es schlechter als dir“ / „Ist es nicht schrecklich?“.
    Das Buch muss als Werk seiner Zeit betrachtet werden. Einige Textstellen wirken unaufgeklärt, altmodisch oder sind schlicht weg nicht mehr zutreffend für die heutige Zeit. Die Gedanken, Ansätze und Theorien in diesem Buch sind äußert interessant aber dennoch differenziert zu betrachten.

(Auto)Biografien von lesenswerten Persönlichkeiten

  • David Foenkinos: „Charlotte“ (2014)
    Mit viel Leidenschaft widmet sich David Foenkinos dem Leben und Schaffen der jüdischen Malerin Charlotte Salomon. Präzise und fast biografisch erzählt er von ihrem Leben: dem Alleinsein nach dem Tod der Mutter, der Kunst, der Hoffnung, dem Hass, der Flucht ins Exil und allen voran ihren faszinierenden Werken. Eine berührende Geschichte, respektvoll und anmutig erzählt.
  • Deborah Feldman: „Unorthodox“ (2012); „Überbitten“ (2014)
    So eindrücklich, dass es weh tut, so persönlich und privat, sodass das Lesen unangenehm wird, erzählt Deborah Feldman von ihrem Leben in der chassidischen Satmar-Gemeinde, einer ultraorthodoxen, jüdischen Gruppierung von Holocaustüberlebenden in Williamsburg, New York. Peinlich genau schildert sie ihre Zwangsehe, die Unterdrückung der Frau, du absurden Regeln, nach welchen sie sich zu richten hatte.
    Sehr genau und detailreich schildert Deborah ihre spannungsreiche Jugend, bis sie mit 23 das Unmögliche möglich macht: Sie tritt aus der Gemeinde aus und darf dennoch ihr Kind behalten.
    Das zweite Buch beschreibt ihren Austritt und der anschließenden Suche nach einem Platz in der Welt für sich und ihren Sohn. Deborah verlässt Amerika und macht sich auf die Suche nach den Spuren der Vergangenheit, die sie letztendlich nach Berlin führen.
    Beide Bücher sind absolut packend, mitreißend und empfehlenswert.
  • Adriana Altaras: „Titos Brille“ (2011)
    Mit viel Witz und Humor beleuchtet Adriana Altaras Themen, die gar nicht so lustig sind. Sie schafft es über deutsch-jüdisches Zusammenleben, ihre eigene Flucht und die durchwachsene Kindheit mit Charme und Liebe zu sprechen. Nahbar und sympathisch beschreibt Altaras die Herausforderungen, mit denen sie tagtäglich konfrontiert wird und regt den Leser zum Nachdenken an.
  • Kerstin Decker: „Lou Andreas-Salomé – der bittersüße Funke ich“ (2010)
    Selbstbestimmt und mutig schreitet Lou Andreas-Salomé durch ihr Leben. Auf ihrem Weg viele bekannte Persönlichkeiten wie beispielsweise Freu, Nietzsche und Rilke, alle auf eine unbegreifliche Art verzaubert und überwältigt von einer so emanzipierten Frau. Lou möchte eigenständige Entscheidungen treffen, eine Heirat kommt deshalb für sie nicht in Frage. Kerstin Decker wirft in ihren biografischen Erzählungen einen neuen Blick auf diese geheimnisvolle Frau und beschreibt mit viel Einfühlsamkeit die private Welt der Lou Andreas-Salomé.
  • Anne Frank: „Tagebuch“ (1947)
    Vom Sommer 1942 an führt Anne Tagebuch. Kindlich genau schreibt sie alles auf, was passiert und in ihren Augen relevant ist. Dem Tagebuch schüttet sie ihr Herz aus, nicht nur über die zerrüttete Welt dort draußen, sondern auch über private Streitereien, das Alleinsein, die Enge im Versteck. Als die gesamte Familie verhaftet wird und nur ihr Vater Otto den Holocaust überlebt veranlasst er die Veröffentlichung ihrer Aufzeichnungen, die ein dokumentarisches, an Authentizität kaum zu übertreffendes, Zeugnis jener grausamen Zeit darstellen.

Klassiker

  • Hermann Hesse: „Siddhartha“ (1922)
    Siddhartha, der der sein Ziel erreicht hat. Wunderbar einfach und melodisch erzählt Hermann Hesse die Geschichte der Selbstfindung, des Großen Ganzen, der Menschlichkeit, der Erleuchtung und dem Streben nach einem Sinn.

Gemütliche Lektüre

  • Dieter Moor: „Was wir nicht haben, brauchen sie nicht – Geschichten aus der arschlochfreien Zone“ (2009)
    Humorvoll und mit viel Liebe und Witz erzählt der Fernsehmoderator, ehemals Dieter, nun Max Moor von seinem Umzug aus der Schweiz nach Brandenburg, in ein kleines Dorf namens „Amerika“. Gemeinsam mit seiner Frau Sonja will er in dem kleinen Dörfchen seinen Traum vom eigenen Bauernhof verwirklichen. 2012 erschien der nachfolgende Band: „Lieber einmal mehr als mehrmals weniger – Frisches aus der arschlochfreien Zone“.
  • Jonas Jonasson: „Der Hundertjährige der der aus dem Fenster stieg und verschwand“ (2009)
    Der Titel ist eigentlich recht selbsterklärend, kurz vor seiner 100. Geburtstagsfeier verschwindet Allan Karlsson durch das Fenster seines Zimmers im Altersheim von Malmköping. Eine Reihe skurriler Begegnungen, unglaubliche Zufälle und viel Fantasie lassen die Reise von Allan zu einem skurrilen Kriminalroman der etwas anderen Sorte werden. Dabei wunderbar witzig und angenehm zu lesen.
    Ein Familienbuch, dass jeden begeistert.
  • Walter Moers: „Ensel und Krete“ (2000)
    Liebenswürdige Halbzwerge namens Ensel und Krete spielen die Hauptfiguren in der an „Hänsel und Gretel“ angelehnten Märchenparodie. Die Geschichte spielt sich auf verschieden Eben ab. Während man einerseits etwas über Ensel und Krete im Wald Zamoniens (fiktiver Kontinent auf dem auch andere Geschichten Moers spielen) erfährt, wird gleichzeitig auch die Biografie des angeblichen Geschichtenerzähler Hildegunst von Mythenmetz erläutert. Moers stellt sich dabei lediglich als Übersetzer aus dem Zamonischen da. Einn packendes und etwas anderes Märchenabenteuer.

Schön geschrieben

  • Judith Schalansky: „Der Hals der Giraffe“ (2011)
    Judith Schalansky ist bekannt für ihre etwas anderen Bücher: Nach dem „Atlas der abgelegenen Inseln“ (2009), indem sich Schalansky mühevoll 50 weitestgehend unbekannten Inseln widmet und mit einer rührend aufwendigen Buchgestaltung den Leser verzaubert, folgte 2011 „Der Hals der Giraffe“. Ebenfalls ein sehr ästhetisches Werk, mit Stoffeinschlag und passenden Zeichnung im Inneren, aber auch die Sprache ist kunstvoll gewählt. Dabei bleibt die Geschichte am Boden: eine in die Jahre gekommene Biologie-Lehrerin die über ihre Schülerinnen herzieht. Man könnte fast sagen: „Leichte Lektüre“, fast.
  • Judith Hermann: „Sommerhaus, später“ (1998)
    Als eindrucksvoller Debüt-Roman beschreibt „Sommerhaus, später“ mit treffenden Feingefühl die Nuancen zwischen Wirklichkeit und Sein, Vorstellung und Realität. Ausgehend von dem Spiel „sich so ein Leben vorstellen“ verlieren sich zwei Freundinnen in den Eventualitäten und Vielleichts, die ein träumender Geist so hervorbringen kann.

Kurzgeschichten

  • Judith Hermann: „Lettipark“ (2016)
    Mit ihrer intensiven Sprache fordert Hermann ihr Publikum heraus, sich in die beschriebenen Akteure von „Lettipark“ hineinzuversetzen. Kunstvoll gebildete Sätze, der angenehme Rhythmus ihrer Geschichten und ihre Hingabe fürs Detail lassen ihre Kurzgeschichten lebhaft und einmalig werden.
  • Judith Hermann: „Nichts als Gespenster“ (2003)
    In sieben kurzen, einfühlsamen Erzählungen widmet sich Hermann in „Nichts als Gespenster“ dem Gefühl der Liebe und der Leere, der Einsamkeit in jungen Jahren, gleichzeitig wunderbar hoffnungsvoll und realitätsnah, sodass der Leser gezwungen wird, sich an seine eigene Jugend zu erinnern.
  • Roald Dahl: „Küßchen, Küßchen“ (1960); „… und noch ein Küsschen!“ (1953)
    Beim Namen Roald Dahl fallen einem vermutlich seine Kinderbücher wie „Matilda“ oder „Charlie und die Schokoladenfabrik“ ein. Sein schwarzer Humor fand aber vor allen Dingen in seinen Kurzgeschichten („Küßchen, Küßchen“ und „… und noch ein Küsschen“ sowie weitern Schauergeschichten) Ausdruck. Die überraschend fiesen, zugleich packenden und mitreißenden Geschichten enden oft unerwartet oder abrupt. Ein gruselig, schauriges Leseerlebnis garantiert.

Jugendträumereien

  • Wolfgang Herrendorf: „Tschik“ (2010); „Bilder meiner großen Liebe“ (2014)
    Zwei Jugendliche, ein langer Sommer und jede Menge Zeit. Maik und Tschik stellen zu Beginn eher eine Zweckgemeinschaft als Freundschaft dar: beide Außenseiter in der Schule, kaum beachtet von den Eltern. Doch als Tschik eines Tages mit einem geklauten Auto bei Maik vor der Tür steht, beginnt eine abenteuerliche Reise für die beiden. Eine mitreißende Geschichte, die fast rührend vom Erwachsenwerden erzählt.
    Was viele allerdings nicht wissen: es gibt eine Art zweiten Teil zu dem eben beschriebenen Bildungsroman: „Bilder deiner großen Liebe“, an welchem Wolfgang Herrendorf bis zu Letzt arbeitete und ihn trotz seiner Unvollständigkeit zu Veröffentlichung bestimmte. Während ihrer Reise treffen Tschik und Maik auf ein Mädchen namens Isa und verbringen einige Zeit mit ihr zusammen. In „Bilder deiner großen Liebe“ wird nun ihre absurde Geschichte in Fragment haften Bruchstück, verwirrend, verwunschen schön erzählt. Es ist das Leseerlebnis absolut wert!
  • Miriam Toews: „All my puny sorrows“ (2014)
    „All my puny sorrows“ oder wie es in der deutschen Übersetzung heißt: „Das gläserne Klavier“, erzählt die Geschichte von zwei grundverschiedenen Schwestern: die eine, Elfrieda ist erfolgreiche Pianistin und sollte eigentlich gerade auf ihre neunte Welttournee gehen, während Yoli erfolglos an ihrer Schriftsteller Karriere arbeitet und immer pleite ist. Elfrieda lebt vermeintlich glücklich verheiratet, Yoli ist geschieden und gerät immer an die falschen Typen. Elfrieda will sterben, Yoli will Elfrieda vom Leben überzeugen. Trotz des schwierigen Themas erzählt Toews mit viel Humor eine herzliche Geschichte über die Menschlichkeit.
    Beide Bücher sind sowohl im Original, als auch in ihrer Übersetzung sehr zu empfehlen.
  • Miriam Toews: „A complicated kindness“ (2004)
    Internationalen Erfolg erzielte die kanadische Schriftstellerin Miriam Toews mit ihrem dritten Roman: „A complicated kindness“, in der deutschen Übersetzung: „Ein komplizierter Akt der Liebe“. Alles dreht sich um die 16-jährige Nomi und ihr Lbene, bzw. das, was davon noch übrig ist: die Mutter und Schwester sind verschwunden, Nomi lebt mit nur noch mit ihrem traurigen, in sich gekehrten Vater in einem kleinen Dorf, irgendwo in Kanada. Mit viel Charme versucht Nomi doch noch ihr Glück zu finden und gerät dabei immer wieder in Konflikt mit den örtlichen Autoritäten der Kirche.
  • Yann Martel: „Schiffbruch mit Tiger“ (2001)
    Es ist Nacht, es ist stürmisch, das Boot ächzt unter der schweren Wasserlast. Das Meer tobt, die Tiere schreien, der Wind peitscht, klare Sicht ist kaum möglich, aber dass alles auseinander fällt bleibt erkennbar. Der kleine Pi, Kind eines Zirkusdirektors, schafft es auf ein Rettungsboot zu klettern, mit ihm an Bord ein Zebra, ein bengalischer Tiger und eine Hyäne. Eine atemberaubende Reise, mit viel Liebe und Hingabe erzählt.
  • Jane Teller: „Nichts – Was im Leben wichtig ist“ (2000)
    Das heftig umstrittene Buch „Nichts – Was im Leben wichtig ist“, zu Englisch „Nothing“, der dänischen Autorin Jane Teller behandelt die Bedeutungslosigkeit des Lebens. Eines Tages entscheidet sich Pierre Anthon dazu, nicht mehr zur Schule zu gehen und stattdessen mit provozierenden Aussagen und stichhaltigen Argumenten seine Mitschüler auf Sinnlosigkeit des Lebens aufmerksam zu machen. Es ist geradezu schmerzhaft zu lesen, wie sehr sich die Mitschüler bemühen Pierre Anthons Aussagen zu wiederlegen, indem sie bedeutungsvolle Gegenständen sammeln. Jeder muss etwas opfern und der Preis wird mit jeder Runde höher. Ein tragisch, mitreißendes Buch, nichts für schwache Nerven.
  • Hanif Kureishi: „The Buddha of Suburbia“ (1990)
    Im London der 1970er Jahre versucht Karim Amir seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Seine Eltern kommen aus Indien, er selbst ist aber in England geboren. Der autobiografisch angelehnte Roman von Kureishi erzählt eine „coming of age“-Geschichte, mit alle den großen Fragen, die einen Jugendlichen in dieser Zeit beschäftigen.

Ungemütlich, und trotzdem lesenswert

  • Dolf Verroen: „Wie schön weiß ich bin“ (2005)
    Schmerzhaft präzise und direkt erzählt Verroen in „Wie schön weiß ich bin“ von einem 12-jährigen Mädchen, das zu seinem Geburtstag einen Sklaven geschenkt bekommt. Ohne Verschönerungen trifft einen die Wucht seiner Worte, dahin wo‘s wehtut und zum Nachdenken anregt.
  • Sylvia Plath: „Die Glasglocke“ (1963)
    Im Spannungsfeld der Gesellschaftlichen Anforderungen versucht die 19-jährige Esther im Jahr 1953 ihren Kopf in der pulsierenden Großstadt über Wasser zu halten. Durch ein Volontariat beim angesagten New Yorker Modemagazin schnuppert sie vermeintliche Erfolgs-Luft, darf in der Redaktion hospitieren und wird mit Werbegeschenken überhäuft. Aber nach und nach verblasst der anfängliche Euphuismus und weicht einer Abwärtsspirale an negativen Ereignissen. Schließlich sieht Esther kaum mehr einen Ausweg. Der Roman weißt überraschend biografische Züge der Autorin auf, die selbst im Jahr 1953 in New York arbeitete. Entschieden ist allerdings das Gefühl, welches sie in dem Buch einfängt und beschreibt. Postum wurde Plath gerade durch „Die Glasglocke“ zu einer Ikone der Frauenbewegung.
  • Anna Maria Jokl: „Die Perlmutterfarbe“ (1948)
    Was als kleiner Streit seinen Anfang nimmt, entwickelt sich bald zu weit mehr als nur einer Schulgeschichte: Wer hat die Perlmutterfarbe geklaut? Zwischen zwei Partnerklassen entsteht Misstrauen, erste Schuldzuweisungen und die Jagd nach einem Sündenbock beginnt. Im Setting der 30er Jahre beschreib der Roman in seinem Mikrokosmus fiktiv, was draußen in der wirklichen Welt tatsächlich passiert.

Dicke Wälzer, die sich lohnen

  • Juli Zeh: „Unterleuten“ (2016)
    Aus verschiedenen Perspektiven wird der Skandal in Unterleuten, einem kleinen brandenburgischen Dorf erzählt. Es gibt da die Alt-Eingesessenen, die schon seit Jahrzehnten zerstritten sind und die Neu-Zugezogenen aus Berlin, die meinen, sich in alle Angelegenheiten des Dorfes einmischen zu müssen. Turbulent, mit viel Abwechslung geleitet einen Zeh durch die Geschichte. Die Sprache ist leicht und die 600 Seiten lesen sich weg als wären es bloß 60.  
  • Wolfgang Herrendorf: „Arbeit und Struktur“ (2013)
    Ein sehr bewegendes Werk Wolfgang Herrendorfs, da es wohl auch zu den persönlichsten zählt ist „Arbeit und Struktur“. Hier dokumentiert er die letzten dreieinhalb Jahre seines Lebens. Von der Diagnose des Hirntumors bis hin zu seinem Suizid im August 2013. In einem fast täglichen online Blog informierte er bekannte und Freunde über die Tagesgeschehnisse, seine Gedanken, seine Gefühle. Der gesamte Inhalt wurde 2013 als Buchform veröffentlicht. Die Intensität, mit welcher Herrendorf schreibt, ist beklemmend und hinterlässt ein mulmiges Gefühl. Dennoch oder gerade deshalb zählt das Werk zu einem literarischen Meisterstück und bietet unbekannte Einblicke in Herrendorfs Arbeit an seinen anderen Büchern.
  • Markus Zusak: „Die Bücherdiebin“ (2005)
    Aus der Perspektive des Todes heraus erzählt Markus Zusak die Geschichte der neunjährigen Liesel Meminger, die im Deutschland der 1940er aufwächst. Im Mittelpunkt steht die Macht der Worte, die unruhige Zeit, Fragen nach Hoffnung, Liebe und Vertrauen. Ein herzzerreißendes Buch, einfühlsam und umsichtig. Zusak lässt selbst den Tod mitleiderregend erscheinen und gibt neue Antworten auf alte Fragen.
  • Walter Moers: „Die Stadt der Träumenden Bücher“ (2004)
    Hildegunst von Mythenmetz, bereits bekannt als Märchenerzähler aus „Ensel und Krete“ berichtet in „Die Stadt der träumenden Bücher“ über sein Anfangszeit als Dichter und seinen Abenteuern in der Bücherstadt Buchhaim. Der mysteriöse Schattenkönig treibt hier sein Unwesen, allerlei kauzige Kreaturen schlummern in der Bücherstadt und je tiefer mein eintaucht, desto schwieriger ist es, sich je wieder aus ihren Fängen zu befreien. Der Leser wird mitgerissen und eingesogen in die Katakomben der Bücherwelt und darf den Abenteuern des Hildegunst von Mythenmetz hautnah beiwohnen.
  • Amos Oz: „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ (2002)
    Im autobiografischen Stil berichtet Oz von seiner Kindheit im Jerusalem der 40er Jahre, beschreibt die Geschichte seiner Eltern und Großeltern und widmet sich differenziert den historischen und politischen Ereignissen zur Zeit der Staatsgründung Israels. Durch seinen verknüpfenden Schreibstil wird Geschichte in Form von Familienerlebnissen greifbar, das Sachbuch zu einem erzählerischen Meisterwerk.
    Wer sich für jüdische Geschichte interessiert, sollte Amos Oz auf jeden Fall gelesen haben.
  • Leo Tolstoi: „Anna Karenina“ (1877/1878)
    Im Russland  des 19. Jahrhunderts gilt die Ehe als hohes Gut. Leo Tolstoi begleitet drei Familien zwischen Moral und Unsittlichkeit und führt uns ein in die Welt des „Verführungsromans“. Geschickt verwebt Tolstoi historische Fakten mit dem Sankt Petersburger und Moskauer Adelsleben, diskutiert rechtliche und politische Fragen und knüpft so die tragische Geschichte der Anna Karenina. Eine Frau die alles zu haben scheint, dennoch alles opfert und anschließend verliert. Tragisch traurig und tragisch schön.

Zukunftsdrama

  • Marc Uwe Kling: „QualitiyLand“ (2017)
    Die satirische Dystopie beschäftigt sich mit der immer weiter voranschreitenden Digitalisierung. Ähnlich humorvoll wie die Känguru-Chroniken wirft Kling mit seinem neuen Buch aktuelle Fragen auf, doch lässt sich auch bei ernsten Themen den Witz nicht nehmen.
  • Marc Elsberg: „Zero“ (2014)
    Der in der nahen Zukunft spielende Roman hinterfragt Datenschutz und das Selbstverständnis vieler Menschen ihr persönlichen Daten freiwillig preiszugeben. Im Mittelpunkt des Buches steht Zero, eine Organisation bestehend aus Netzwerkaktivisten die sich für mehr Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung einsetzen. Als die Journalistin Cynthia Bonsant im Zuge eines Auftrags mit der Recherche beginnt kristallisiert sich ein zunehmend fragwürdiges Bild an verschiedenen Akteuren der einzelnen Interessensgruppen heraus bei denen jeder seine ganz privaten Motive zu haben und persönliche Ziele zu verfolgen scheint.
  • Dave Eggers: „The Circle“ (2013)
    Der mächtige Riesenkonzern „The Circle“ veranlasst unter dem Deckmantel der Transparenz eine allumfassende Überwachung jedes Bürgers*in zum angeblichen Wohle der Gemeinschaft. Mae Holland, eine zunächst sympathische College-Absolventin beginnt euphorisch sich für den Konzern einzusetzen und steigt schnell in der Hierarchie bis ganz nach oben auf. Im Laufe ihrer Karriere verändert sich ihr Persönlichkeit merklich. Dies wird deutlich als Sorgen bezüglich möglichen Datenmissbrauchs und Machtausnutzung immer häufiger werden aber an Mae scheinbar abprallen und nicht reflektiert werden. Die Aktualität der von Dave Eggers geschilderten Ereignisse zieht eine beunruhigende Parallel in unsere Gegenwart und regt den Leser zu Nachdenken über sein eigenes Online-Verhalten anregt.
  • José Saramago: „Die Stadt der Blinden“ (1995); „Die Stadt der Sehenden“ (2004)
    Ein Horrorszenario, eine Stadt im Total-Chaos. José Saramago gleitet uns tastend, wie ein Bildenführer hinein in das Gedankenexperiment: unser Augenlicht auf einmal zu verlieren, ohne Begründung, ohne Heilmittel, vollkommen unvorbereitet. Es fing mit einem Mann auf der Straße an, rasend schnell breitet sich der Kreis an Infizierten über die gesamte Stadt hinweg aus. Als erste Maßnahme bringt die Regierung alle Infizierten in einer ehemaligen Irrenanstalt unter. Dort eskaliert allerdings mit der steigenden Anzahl an Bewohnern die Situation. Aggression und Gewalt nehmen überhand. Die Regierung ist hilflos und muss sich eingestehen, die Kontrolle verloren zu haben. Saramagos Schreibstil mag zunächst eigenartig und fremd erscheinen, ist geprägt von lange Satzstrukturen und unkenntlicher direkter Rede aber es sind genau diese Faktoren, die das Leseerlebnis entscheidend im Stil der Geschichte prägen und einen wesentlich Teil des mulmigen Lesegefühls ausmachen.
    Der sozusagen 2. Teil: „Die Stadt der Sehenden“ beschäftig sich mit einem neuen, politischen Szenario aber hinterfragt abermals die Handlungsfähigkeit der Regierung. Wie die Angst um Machtverlust zur Absurdität führen kann und scheinbar nur Nuancen zwischen Demokratie und Diktatur liegen demonstriert Saramago anschlich in diesem Werk. Die Hauptrollen aus dem ersten Buch bleiben erhalten und bilden somit den Rahmen für zwei unterschiedliche Geschichten, die letztlich wieder zu einer verschmelzen. 

Für jüngere Generationen

  • Claire Messud: „Das brennende Mädchen“ (2018)
    Julia und Cassie, zwei Seelenverwandte, beste Freundinnen, Lebensgefährten. Und jetzt? Jetzt ist irgendwie nichts mehr so wie es mal früher war und dabei gibt es gar keinen Grund dafür. Vorsichtig, zaghaft aber zunehmend erwachsen versucht Julie den Veränderungen nachzuspüren. Berührend geht Claire Messud den Fragen der Freundschaft und Liebe nach, die gerade bei Erwachsenwerden eine so große Rolle spielen.
  • Laura Gallego Garcia & Rosemarie Griebel-Kruip: „Der Teppich des Dichters“ (2009)
    Im Königreich Kinda träumt der junge arabische Prinz Walid davon einmal der beste Dichter zu werden. Als ihn beim Wettstreit allerdings ein einfacher Teppichweber schlägt, ist er schockiert. Kurzerhand stellt er den Teppichweber als Geschichtsschreiber ein und lässt ihn hart für sich arbeiten um ihn im Auge zu behalten. Nach dem Tod des völlig erschöpften Teppichwebers begibt sich Walid unfreiwillig auf eine bedeutende und prägende Reise die ihm die Augen öffnet.
  • Cornelia Funke: „Tintenherz“ (2003), „Tintenblut“ (2005); „Tintentod“ (2007)
    Wenn Bücher zum Leben erwachen kann das bestimmt ganz nett sein, manchmal wünsch man sich das vielleicht sogar, aber spätestens wenn unberechenbar selbstständige Figuren aus Büchern „herausgelesen“ werden, ist Vorsicht geboten. In der Welt von Maggie und Mo darf die Auswirkung einer fiktiven Geschichte auf die Realität nicht unterschätzt werden. Der magische Zauber den die Bücherwelt verströmt ist allzu reizvoll und Maggie begibt sich in ein Abenteuer zwischen hier und dort, Realität und Fantasie. Der krönende Abschluss ihrer Tinten-Welt Trilogie gelingt Cornelia Funke mit „Tintentod“. Auch wenn alles normal scheint, brodelt unter der Oberfläche noch das Bedürfnis nach Abschluss und Klärung.
    Drei verwunschene, mitreißende Bücher, die einen eintauchen lassen in die magische Welt der Wörter.
  • Guus Kuijer: „Wir alle für immer zusammen“ (1999); „Das Glück kommt wie ein Donnerschlag“ (2000); „Es gefällt mir auf der Welt“ (2001); „Ich bin Polleke“ (2001); „Wunder kann man nicht bestellen“ (2001)
    In den fünf Büchern erzählt Guus Kuijer lebhaft und erstaunlich authentisch von den großen und kleinen Herausforderungen im Leben einer Teenagerin. Polleke macht sich ihre eigenen Gedanken, ist lustig und meistens gut gelaunt aber trotzdem fährt das Leben Achterbahn und sie gleich mit. Gefühlschaos, Streit mit den Freunden, neue Liebschaften der Mutter… alltägliche Szenerien denen Kuijer Bedeutung schenkt und einfühlsam schildert. Lebensnahe Bücher die vollkommen ohne Fiktion auskommen.
  • Kenneth Oppel: „Silberflügel“ (1997); „Sonnenflügel“ (1999); „Feuerflügel (2002)“
    Schatten ist ein Jungtier der Silberflügelmaus-Kolonie. Er ist ein wenig schwächer und kleiner als die anderen, aber er weiß, irgendwann wird ihnen zeigen, was in ihm Steckt. Kenneth Oppel begleiten den mutigen Silberflügler beim Erwachsenwerden und nimmt uns mit auf seine Abenteuer. Mal witzig, mal tollpatschig, mal fest entschlossen und ehrgeizig meistert Schatten die kleinen und großen Herausforderungen denen sich so eine Fledermaus in ihrem Leben zu stellen hat. Mit viel Sympathie und Zuneigung beschreibt Oppel das Aktion reiche Leben der Fledermäuse. Früher eines meiner allerliebsten Kinderbücher, unglaublich spannend, sodass man gar nicht aufhören kann zu lesen und traurig ist wenn das Buch zu Ende geht.