bodennah

Ich bin heute morgen aufgestanden, obwohl ich mit den dringlichen Worten „Ich übertrachte, gute Nacht“ erwachte. Ich bin aufgestanden, obwohl die Augen meiner Oma noch geschlossen waren, obwohl sie auch im Traum keine offenen Augen hatte. Ich bin aufgestanden und haben Kamillentee gekocht und meine Traummutter raunte mir zu: ist das denken allgemein, wird es wohl erwachsen sein. 

Im Traum wusste ich wohl auch, wie das zu verstehen war. Beim Kamillenteekochen nicht mehr. 

Meine Oma hängt in meinem Zimmer an der Wand. Von der Wand hinab umarmen ihre ausgeschnittenen Papierfinger den leeren Luftraum der sich zwischen Kissen, Kopf und Küssen spannt. Mein Bett ist auf dem Boden. Um ihr Handgelenk herum hat sie ihre Uhr gemalt, von beiden Seiten und ihren Ehering trägt sie auch. Es ist der eingewachsene Ring, seit nun zwanzig Jahren kann sie frei atmen. 

Mein Bett liegt auf dem Boden, und ich liege darauf, mit dem Kopfrücken zur Wand, die heiße Teetasse auf der Brust und meine Augen schielen hoch zu meiner Papieroma, die ihr Fingerpapier nach mir ausstreckt. 

Es hat lange gebraucht, bis ihre Karte mich erreicht hat. Zweimal wurde sie zurückgeschickt. Und dreimal hat meine Oma sie zur Post gebracht. Wie ein eigenes inneres Mantra, es kann und wird werden.

Frühstück

Heute arbeiten wir an der Oberfläche, schlägt Mika vor und Lou stimmt zu. „Die Oberfläche von was?“ fragt Charlie und Mika zeigt auf die Müslischale. Es gibt Müslischalen im Hotel und in der Kantine, in der Kassenhalle und zu Hause. Lou holt den Hafersaft und gießt ihn großzügig auf die Fußmatte. Mika applaudiert, Charlie wackelt mit den Ohren. Parallel zueinander stehen sie im Raum. Ein bisschen verschlungen, mal weiter weg, aber eigentlich ganz nah beieinander. Die Müslischalen haben sie um sich herum verteilt, es ist ein Spiel: manchmal darf man reintreten, manchmal muss man drüber springen und wenns geht, auch mal auf einen Baum klettern. Dass dann aber bitte draußen machen. 

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