Unter den Sternen

Es war Nacht. Der Wald war still.

Robert kickte mit seinem Stiefel einen Holzscheit näher an die Glut des Feuers. Es knisterte und funkte. Die Feuerfeen stoben in die Höhe, den Sternen entgegen, die zwischen den schwarzen Baumwipfeln ihr Lager aufgeschlagen hatten.

Robert seufzte, sah zu ihnen auf. Er hatte tief liegende Augen, große Ohren und ein gespaltenes Kinn. Seine Haut war über die Jahre zu poliertem Leder geworden, Lachen und Weinen unvergessen in sie hinein gedruckt.

„Manchmal“ begann er. „denke ich, der Sinn des Lebens ist es, dem Leben Sinn zu geben.“

Seine Otterhündin, Bella, hob den Kopf von seinem Oberschenkel, Sandfarbene Haarsträhnen in den nassen Augen, flappte mit den Ohren und rollte sich auf den Rücken, die Pfoten angewinkelt, den Bauch entblößt.

Wieder seufzte Robert.

Er legte eine Hand auf Bellas Bauch klopfte und kraulte ihr Fell. „Zu leben ist nicht schwer, Bella. Wir machen es uns nur schwer.“ Sie lächelte ihm zu, die Mundwinkel gegen den Boden gezogen. „Weil wir Bedeutung haben wollen, nicht wahr?“ Robert pochte gegen die Rippen der Hündin, seinen Kopf an die verkrustete Rinde der Erle gelehnt.

Seine Augen ließen ihn die weiß gleißenden Sterne am Nachthimmel kaum noch erkennen. Sie waren schlecht geworden, seine Augen.

Früher hatte er die Beine eines Marienkäfers sich in die Haut der Blätter krallen sehen, heute konnte er nicht einmal mehr den Marienkäfer sehen.

Robert rieb sich mit Daumen und Zeigefinger die Augenwinkel, fuhr über die Canyon-Landschaft seiner Stirn, holte tief Luft.

Es war ein lauer Abend. Der erste Herbstwind rauschte über die Baumwipfel, fraß die Blätter an. Gelb und Orange.

Bella begann zu schnarchen. Pfeifend und leise. Robert sah auf sie hinab, spürte ihre Lungen sich unter seiner Hand ausdehnen und zusammensinken. Er lächelte, seine Haut wellte sich und streichelte weiter ihren Bauch.

Robert sah zu dem verwaschenen Nachthimmel hinauf. „Aber nicht einmal die Sterne haben Bedeutung“, flüsterte er.

3 Gedanken zu „Unter den Sternen“

  1. achhhh Daria <3 Ich fühle mich in diesen Moment hineingezogen, von kleinen Beschreibungen und allem was ich mit Ihnen verbinde. Du malst mir ein Bild in meinen Kopf oder ich male es mir, durch dich.

    Und ich habe Fragen, die ich gar nicht stellen will, weil ich deine Geschichte so stehen lassen will, aber ich bin auch furchtbar neugierig: Wie kam diese Szene in deinen Kopf oder wodurch heraus? Womit verbindest du sie? Nur falls du erzählen möchtest c:

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