6.

Das Buch Stolz und Vorurteil ruhte auf seinem geblähten Bierbauch. Während er las, kaute der alte Mann mit seinen Unterzähnen auf den grauen Barthaaren die über seine Lippe ragten. Die großen Poren auf den Äpfeln seiner Wangen und der Knorpelnase, verfärbten sich fleischig rot und gelb. Eine Wasserwage ragte aus der Latztasche seiner blauen Arbeiterhose. Er blätterte eine Seite, mit Fingern roh wie Sandpapier um. Seine Augen im Glanz eines Verliebten strahlten vor Glück. Er war fast am Ende des Buches.

4.

Das Mädchen lief durch die U-Bahn. Sie war 6 Jahre alt und trug ein karriertes Kleid mit einer zuckerwattefarbenen Felljacke darüber. Sie lief die ganze Strecke des U-Bahnwagons entlang, dann wieder zurück zu ihrer Mutter. Sie fiehl auf. Sie hatte keine Angst, nicht vor der Entfernung zu ihrer Mutter, nicht vor den Menschen in den Gängen. Als die U-Bahn sich durch eine Biegung wand, tauchte sie auf, an einer gelben Metallstange hängend. Sie kletterte daran hinauf, hangelte sich in die Mitte der quer gelgten Strebe. Sie schwang vor und zurück. Eine Akrobatin in der U-Bahn. Sechs, blond, furchtlos.

1.

Wie der löchrige Flaum eines Mäusebauchs, lagen die Haare über ihrem gebräunten Schädel. Beim Kämmen klebten sie, weiß, fast durchsichtig, in der Bürste der alten Frau und sie sammelte sie, jedes einzeln, heraus. Zwischen den Fingern rieb sie ihre Haare vor und zurück. Weich wie der Flaum eines Mäusebauchs, dachte sie.

So langsam braucht es Tapferkeit

„Ausgangssperre!“
„Kontaktbeschränkung!“

Wenn Abstand moralisches Gebot, wird Umarmung zum Privileg…

Ich fürchte Meinen Teller mit Dir zu teilen…

Wie kann ich nicht hören
„Geh‘ weg“
wenn Du sagst „Bleibe fern“-
Wie könntest Du nicht hören „Ich schließe Dich aus“
wenn ich sage „Ich lade Dich nicht ein“

„Wir“ leidet –
großes, gemeinsames, nicht nähestes und dennoch wesenhaftes-

Ich vermisse Euch; die breiten Arme, das weite Grinsen, die unerwartete Nähe

Ich vermisse Euch; die vielen liebenswerten wegen denen es Mich in Diese Stadt zieht

Wir ist Selbstverständlichkeit beraubt

Ich möchte vergeben…
und halte wach die Erinnerung Offenheit-
trage sie durch diese dunkelsten Tage- tapfer -dass eines genesenen Tages Meine Stadt Wieder
an Ihr erwacht