Sein Preis

Die Wolken über der Stadt trugen Kleider. Rot und lilafarben, gelb, orangen, blau und rosa.

Mit Rüschen und tiefen Krägen. Ihre weiten Säume über den Himmel gefächert.

Die Wolken über der Stadt trugen Kleider, heute.

Ob sie einen Ball veranstalteten?

Er wäre gern eingeladen worden. Zum Tanz der Wolken über seiner Stadt.

In ihren Kleidern und Farben sah er sie vorbeiziehen und trug selbst nur Schwarz.

Schwarze Jeans, schwarzer Pullover, schwarze Stiefel, schwarze Mütze.

Er war froh, dass die Wolken heute kein Schwarz trugen. Die Farben standen ihnen besser.

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Gehen

Ihr geht und ich lasse euch gehen,
weil ich euch nicht halten kann,
euren Flug nicht behindern,
obwohl ich manchmal wünschte jemand bliebe,
um mich zu halten.

Ich beobachte eure Flügel,
wie schön sie von unten schimmern –
ich weiß, dass ihr nicht weg seid,
aber ihr seid auch nicht da,
um meine Flügel zu bauen.

Das muss ich wohl alleine machen,
es ist der Moment gekommen,
in dem mir mein Spiegelbild ins Gesicht spuckt,
damit ich endlich ehrlich werde
und zu gehen beginne.

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Unter den Sternen

Es war Nacht. Der Wald war still.

Robert kickte mit seinem Stiefel einen Holzscheit näher an die Glut des Feuers. Es knisterte und funkte. Die Feuerfeen stoben in die Höhe, den Sternen entgegen, die zwischen den schwarzen Baumwipfeln ihr Lager aufgeschlagen hatten.

Robert seufzte, sah zu ihnen auf. Er hatte tief liegende Augen, große Ohren und ein gespaltenes Kinn. Seine Haut war über die Jahre zu poliertem Leder geworden, Lachen und Weinen unvergessen in sie hinein gedruckt.

„Manchmal“ begann er. „denke ich, der Sinn des Lebens ist es, dem Leben Sinn zu geben.“

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