2. Dezember

Hol dir ein Gewürz aus der Küche und lass dich von seinem Geruch inspirieren.

Autor*in: Mara

Manchmal kommentiere ich 🦋 um zu zeigen, dass ich etwas gesehen und eine Verbindung damit habe. Ansonst ist hier viel meiner Kunst. Ich habe mir angewöhnt, jeden Tag etwas zu zeichnen und zu schreiben. Für fünf Monate des Jahres 2020 habe ich täglich ein come along Gedicht geschrieben. Das aktuelle Schreib-Projekt heißt wortwolle und da machen auch noch andere liebe Menschen mit c: Zeichnen tue ich jeden Tag in eins meiner sieben kleine Bücher für das Projekt Dayss. Es geht viel um meine Gefühle. Oft frage ich mich Abends vor dem Schlafen gehen, wie es mir geht und bringe das dann zu Papier. Ich hoffe dir gefällt es hier im Offenen Kunst Raum und vielleicht willst du ja auch selber was teilen. Ich würde mich sehr freuen. Für alle Hinweise zu technischen Probleme oder deine generellen Gedanken oder Fragen zur Website bin ich dankbar c: Kontakt am liebsten über Signal oder Threema: S9P27AFT E-Mail: mara@tapetenresonanz.de Telegram: @ehuzy

Ein Gedanke zu „2. Dezember“

  1. Alles war wild, das wusste sie. Es brummte und rauschte und ratterte und floss – da draußen, vor dem Fenster. Es hupte und quitschte und weinte und sang – die ganze Stadt war heftigst am Leben. Aber hier drin war sie sicher. Im Schummerlicht des Kronleuchters, von dem noch zwei Glühbirnen brannten, zwischen Spinnenweben und zerschlissenen Lederpolstern, war sie behütet. Hier schmeckte der O-Saft immer gleich (der Große presste ihn frisch für jedes Glas) und die Krustigkeit im Verhältnis zur Saftigkeit der Falafel war zuverlässig konstant. Die Leute zogen ein und aus. Es war wohl den wenigsten bewusst, doch sie alle kamen her, weil sie sich nach genau dem sehnten. Nicht aus Hunger oder Durst. Sie kamen, weil sie das Dunkel-lila-rot der Wände lockte, die abgestandene rauchige Luft, gemischt mit Dampf und heißem Fett. Sie kamen, weil sie in die Augen des Großen blicken wollte, die jeden Tag die gleichen Falten schmückten, die von einem Leben erzählten, in dem sie viel gesehen hatten und dennoch es nie aufgegeben hatten in allem und jedem das Gute zu finden. Sie wollten seine Hände beobachten, wie sie einem Tanz nahekommend die immergleichen Bewegungen vollführten. Sie wollten für einen Moment die Lasten absetzen, die sie durch diese Stadt schleppten. Sie kamen für die Ruhe, die sie durchströmte, wenn sie das Knistern des Fetts und das leise Brummen des Großen hörten. Sie kamen für die Kraft, die in ihnen mit jedem Bissen in das sorgfältig geknetete Brot spürbar wurde. Sie kamen, weil sie es brauchten, um zurückzukehren, nach dort draußen, in die Stadt, vor dem Fenster, die dort rumpelte und kreischte und knackte und summte und mit jedem Laut versprach, es für immer so zu tun. Aber sie wusste, dass die Tage dieses Irrsinns gezählt waren.

    Und, welche Gewürzmischung war das wohl? 😉

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