Letzter Moment


Der Boden vibriert
wir hören schreie

Ich habe angst
ihr dürft meine Freund*innen nicht verletzen

In einem düstern Raum
kaum ein Lichtstrahl kommt durch
der Strom wurde abgestellt
mein Blut pocht durch den ganzen Körper
ich könnte gerade in alle Einzelteile zerspringen

Ich bin wütend
will mich selbst nicht brechen lassen
doch ich habe Angst

Gleich gleich sind sie vor unsere Tür
schwarz vermummt vom Eigentümer geschickt
um unsere Träume zu zerschlagen
den Kapitalismus zu stützen

Ich bin wütend
hier ist Kapital wichtiger als ein Schutzraum

Wir hören sie
die schwarz vermummten Behelmten
vom Eigentümer geschickten
sie stehen vor unsere Tür

Ich bin wütend
will diesen Ort nicht verlassen niemals
nicht mit dieser letzten Erfahrung

Sie kommen rein
wehren kann ich mich nicht mehr dagegen
eine Taschenlampe im Gesicht
sie fragen wo sind denn unsere Männer
ein andere sagt das ist ja ein Frauen Projekt
es sind nur männlich gelesene Bullen im Raum

Ich bin wütend
diese Provokation diese Unwissenheit
sie wissen nicht was sie zerstören

Wir hören
es befinden sich vier Personen in dem Raum
wir brauchen eine Festnahme-Einheit
wir vier schweigen bewegen uns nicht
sind gelähmt

Ich bin wütend
sie üben Gewalt auf uns aus
an einem Ort der befreit davon war

Sie reißen den Vorhang ab
sie stellen sich ins Fenster
um den solidarischen Menschen draußen zu zeigen
das sie es geschafft haben

Ich bin wütend
ich kann meine Hass nicht mehr in Worte packen

Sie packen mich fest am arm
zerren mich durch das nun von Cops überfüllt Haus
an ein Fenster in der ersten Etage
der Bulle übergibt mich an einen anderen
ich höre ihre Kommandos
mein Kopf wird runter gedrückt
ich verliere die Kontrolle über meine Bewegungen
fühle mich vereinzelt und allein
ich will schreien, weinen, Hände halten

ICH WILL BLEIBEN

Ich bin wütend
jetzt gerade haben sie die komplette macht über mich
doch ich werde mich nicht brechen lassen

Ich laufe die mobilen Treppe runter
schaue mich um es ist hell
mir wir zugejubelt ich bekomme Applaus
ich höre alle zusammen gegen diese Räumung
ich bin nicht alleine wir sind viel verdammt viele
das macht mir Hoffnung
und lässt mich für kurze Zeit das gerade Erfahrene vergessen

Ich bin wütend
sie haben mich versucht zu brechen

Nach zwei Stunden Personalien aufschreiben
durchsucht werden und warten
werde ich frei gelassen
und falle in die Arme von Freund*innen

Das war jetzt also meine letzte Erinnerung an
21 Jahre lang gelebten queer Feminismus
ein safe space vor patriarchaler Gewalt
den es so nicht mehr geben wird
er wurde uns genommen
ihr werdet dafür teuer bezahlen

Ihr könnt unsere Körper räumen
und unser zu Hause nehmen
könnt uns mir Repression einschüchtern
und dadurch handlungsunfähig machen
aber
die Gedanken
unser Vorstellung einer befreiten Gesellschaft
den drang eure Strukturen zu zerschlagen
und unser aufzubauen
werdet ihr niemals räumen können

Aus Wut ensteht neue revolutionäre Kraft

Liebig 34 lebt
Liebig 34 kämpft

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