Unter den Sternen

Es war Nacht. Der Wald war still.

Robert kickte mit seinem Stiefel einen Holzscheit näher an die Glut des Feuers. Es knisterte und funkte. Die Feuerfeen stoben in die Höhe, den Sternen entgegen, die zwischen den schwarzen Baumwipfeln ihr Lager aufgeschlagen hatten.

Robert seufzte, sah zu ihnen auf. Er hatte tief liegende Augen, große Ohren und ein gespaltenes Kinn. Seine Haut war über die Jahre zu poliertem Leder geworden, Lachen und Weinen unvergessen in sie hinein gedruckt.

„Manchmal“ begann er. „denke ich, der Sinn des Lebens ist es, dem Leben Sinn zu geben.“

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Der Fleck

Sie kannte ihn nicht, hatte ihn noch nie gesehen. Den Fleck. Den Fleck auf ihrem Teppich. Er war rot und tief, wie die verseifte Pfütze eines Schlachthofes. In der Mitte dunkler als am Rand. Sie schrie. Wonach wusste sie nicht, doch als ihr Sohn ins Zimmer gestolpert kam, das Gesicht vor Sorge und Überraschung gefüllt mit Os, wusste sie, es war seine Schuld.

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1.456

Regen trommelte gegen das Fenster. Dem quadratischen Guckloch in der Betonwand, dass sie Fenster nannten.

Mirko saß am Bettende auf dem Pfosten des Metallgestells, einen Fuß gegen den Boden gedrückt, den anderen locker geknickt. Er sah hinaus.

Nein, er sah zu den Tropfen, folgte den silbernen Strähnen mit seinen Augen.

Adrig rot und gelb, kakaofarbene Iris.

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